Home » Träume

Alpträume

6 März 2009 3 Comments

So wie wir vieles in unserem Leben erfahren, dass wir wunderschön und unvergesslich finden, so erleben wir auch Dinge, die uns schocken und die uns eher unangenehm sind. Nun sind wir Menschen gern so gestrickt, dass wir wunderschönes ein Leben lang speichern und uns diese Erinnerungen in späteren Momenten wieder zugänglich machen, während wir Schockierendes ganz gern verdrängen. Dies speichert sich trotzdem in unserer riesigen Lebens- und Traumdatenbank ohne wirklich verloren zu gehen. Auch wenn wir jegliche Erinnerungen auslöschen, sind die energetischen Muster dazu noch immer in uns präsent.

Auch in unseren Träumen zeigen sich unverarbeitete Erlebnisse, schockierendes Erleben. Dies ist die Spielwiese der Alpträume. Es sind Träume, die wir als sehr duster, bedrohlich und zutiefst emotional erleben. Es sind Träume, an dessen Präsenz wir uns im Wachzustand wesentlich leichter und zusammenhängender erinnern, als an andere nächtliche Träume.

Alpträume haben eine immense Kraft inne. Sie konfrontieren uns mit verdrängten Aspekten unseres Lebens und mahnen uns mit dem Zeigefinger, uns endlich genau damit auseinanderzusetzen. Alpträume haben die Macht, gefesselte - an inneren Konflikten gebundene Energie freizusetzen, so dass wir sie wieder für uns nutzen können. Diese Träume benötigen ihre Machtvolle Intensität, um uns als Träumer zu erreichen. Unser höheres Selbst zieht hier alle Register. Wären Alpträume weniger intensiv, würden ihre Botschaften uns kaum erreichen und unser Spiel des Verdrängens ginge weiter bis in alle Ewigkeiten bzw. bis zu unserem totalen Kollaps. Somit haben Alpträume auch reinigende Funktion und dienen uns als Chance, endlich in unserem Leichenkeller aufzuräumen.

Manche Träumer träumen einen bestimmten Alptraum viele viele Nächte hintereinander und kommen dann zu einem Arzt oder Psychologen. Sie entwickeln Ängste sogar vor dem Einschlafen, weil sie fürchten, dass sie erneut von ihrem Alptraum verfolgt und übermannt werden. Sind sie an der richtigen Stelle, werden sie lernen, wie sie konstruktiv mit ihren Alpträumen umgehen können und welchen großen Gewinn sie für ihre persönliche Entwicklung aus diesen Träumen ziehen dürfen. Für gewöhnlich kehren Alpträume solange in gleicher Abfolge oder mit ähnlichen Inhalten zu uns zurück, bis wir verstanden haben, was sie uns zu sagen haben und das Thema mit dem sie uns konfrontieren, für uns lösen konnten.

Nun taucht natürlich die Frage auf: Wie können wir sinnvoll mit unseren Alpträumen umgehen?

Zunächst erst einmal, indem wir lernen, dass uns unsere Alpträume weder fressen noch verrückt machen wollen. Es sind auch keine bösen Zauber, die anderen Menschen uns auferlegen, um uns Schach matt zu setzen. Unsere Alpträume sind Helfer! Wir sollten ihnen dankbar sein, dass sie für uns da sind und uns dabei behilflich sind, klar Schiff in uns zu machen.

Nun können wir damit beginnen, uns unseren Alpträumen zuzuwenden. Wir schauen uns in der Rückschau auf unseren Alptraum an, was genau uns während des Traumes passiert ist. Ohne zu werten, schreiben wir die GEschichte unseres Alptraums auf. Ja, wir verpacken unseren erlebten Alptraum bewusst in eine Geschichte. So als hätten wir sie in einem Buch z.B. in einem Krimi gelesen und würden sie jetzt per Brief einem guten Freund erzählen.

Als ich selbst ein Kind im ungefähren Alter von 5-6 Jahren war, träumte ich des Nächtens regelmäßig folgendes (Hier als Geschichte wiedergegeben, die ich später in der Erinnerung verfasste): Es ist ein schöner, friedlicher Tag. Ich wandere einen Fluß entlang und genieße das Treiben des Flußes. Viele Fische springen freudig an die Oberfläche und tauchen plätschernd wieder unter Wasser. An Land krabbeln einige kleine Tiere an mir vorbei. Es ist ein warmer Tag und ich wandere allein. Am Himmel tummeln sich ein paar zarte Wolken, die keinen Regen bringen. Alles deutet darauf hin, ein guter Tag zu werden. Doch dann verfinstert sich auf einmal der Horizont und das Wasser des Flußes wird unruhig. Ich spüre wie es in mir kälter wird und ich mich immer unwohler fühle. So beschleunige ich meinen Weg. Ich drehe mich nicht um. Hinter mir höre ich heran donnernde Geräusche. Sie werden lauter und scheinen mich einzuholen. Jetzt laufe ich noch schneller und renne beinahe. Die Geräusche klingen als kämen sie von einem gruseligen Ungeheuer, dass immerfort mit irgendwas klappert. Irgendwann halte ich es kaum noch aus. Ich halte den Atem an, bleibe stehen und schaue mich um. Ich bin schockiert. Denn ich schaue in den riesigen Schlund eines überdimensional großen Krokodils. Es klappt wild mit seinem Riesenmaul auf und zu und ich realisiere, dass es nach mir schnappt. Voller Panik renne ich fort von diesem großen grünen, durchfurchten SCheusal. Ich renne und renne, aber das Krokodil holt mich schließlich ein und verspeist mich mit Haut und Haaren. Ich wache verschwitzt auf.

Ich wusste eine Weile nichts damit anzufangen und ärgerte mich, dass mich das Krokodil immerzu erwischte. In späteren Jahren traf ich auf andere Träumer und wir schauten uns meinen Traum an. Ich war gleich angetan davon, wie behutsam sie mir einfach Fragen zu dem Traum stellten. Wie sieht das Krokodil aus? Wie fühlt es sich an, von dem Krokodil verfolgt zu werden? Wie ist es im Maul des Krokodils? Wieso frisst mich das Krokodil und ist so riesig? An was erinnert mich das Krokodil? Bin ich schon mal im Alltag von Mitmenschen “gefressen”/angegriffen worden? DAs sind einige der Fragen. Wozu haben sie mir diese Fragen gestellt? Sie stellten sie mir, um mir zu helfen, mich behutsam meinem Alptraum anzunähern. Denn um einen Alptraum zu lösen, müssen wir uns den Inhalten stellen ohne fort zu rennen. Dies tat ich durch das Fragen. Und gleichzeitig durchlebte ich den Alptraum erneut. Interessant fand ich, dass mich der Alptraum darauf hin weisen wollte, dass es bedrohlich für die eigenen Psyche sein kann, wenn ich zu allem “ja” und “amen” sage und zum Frieden anderer meine Werte und Meinungen unter den Scheffel stelle. Der Traum forderte mich auf, zu mir zu stehen und für meine Überzeugungen einzustehen. Auch wenn ich dafür ein ums andere Mal ein Satz heisse Ohren einfing.

Behutsam Fragen zu stellen ist ein Weg. Eine andere Möglichkeit ist, seinen Alptraum aufzustellen. Ihr kennt vielleicht die Familienaufstellungen nach Hellinger? Hier werden Familienprobleme bzw. eigene ungelöste Themen mithilfe anderer Personen aufgestellt, so dass wir selbst als Betroffene in die Beobachterposition gehen können. Wir verändern unseren bisherigen Blickwinkel und hören, wie andere aufgestellte Personen das was wir aufstellen erleben. Dadurch gelangen wir zu neuen Erkenntnissen und die ungelösten Themen werden gelöst. Diese Methodik lässt sich auch für unsere Alpträume nutzen. Kommen wir also mit dem Fragen nur mässig weiter, so suchen wir uns Mitmenschen, die den Inhalt unseres Alptraums für uns nachspielen. Wir lassen die Spieler jeweils erzählen, was sie denken, wie sie sich fühlen, was sie erleben. Was sie damit anfangen würden, wenn es ihr Alptraum wäre. Das hilft uns zu erkennen, was uns unser Alptraum sagen will und auf welches Thema er uns anspricht.

Haben wir erkannt, worauf unser Alptraum zielt und ist das Thema gelöst, verschwindet zumeist auch der Alptraum. Zusätzlich können wir mit unserem Alptraum arbeiten, indem wir diesen Traum umträumen. Durch diese Art des Umgehens mit meinem früheren Alptraum wurde daraus:

[...] Während ich so dem Flusslauf folge, werden die Farben meiner Umgebung plötzlich intensiver und ich vernehme, dass mir jemand hinterher läuft. Wer das wohl ist? Ich bleibe stehen und drehe mich neugierig um. Jetzt sehe ich dass sich mir eine lächelnde Person nähert. Als sie bei mir ist, begrüsse ich sie freundlich und will wissen, was die Person von mir wolle. Sie bittet mich um ein GEspräch und erklärt mir, dass es für meine Gesundheit besser wäre, wenn ich mich lerne durchzusetzen. Es ist gut und richtig, in entscheidenen Momenten seine Meinung zu sagen. Dies könne ich tun, indem ich den anderen Menschen für ihre Sichtweisen danke, ihnen aber dennoch freundlich zu verstehen gebe, dass ich es anders wahrnehme und ich bei meiner Meinung bleibe, da sie mir für mich richtig ist. Ich danke der Person für das GEspräch und beschließe dies zunächst bei meinen Freunden zu üben. Ich würde weniger zu allem einfach nur lächeln, sondern mehr meine Standpunkte vertreten.

Den Alptraum umzuträumen, verändert auch langfristig unser Verhalten im Alltagsleben und wandelt unser Leben. Denn unser Leben schöpft sich aus unserem Träumen. Somit ändert sich das energetische Muster hinter unserem Thema und wir reagieren freier in zuvor als belastend erlebten Situationen. Und unser Alptraum wurde erhört und hat hat seine Mission erfüllt.

3 Comments »