Home » Traumpraxis

Die Träume würdigen

27 Februar 2009 No Comment

Unsere Träume tragen wahre Schätze in sich, die uns Aufschluss über unser aktuelles Leben geben. Doch was tun wir, wenn wir die Botschaft unseres Traumes verstanden haben? Die meisten Menschen erfreuen sich bei positiv erlebten Träumen für kurze Zeit an den geernteten Früchten, beißen womöglich einmal hinein und lassen sie dann wieder fallen. Freilich tun sie dies weniger aus Unachtsamkeit als vielmehr aus dem Grund, dass sie einfach nichts mit diesen Früchten anzufangen wissen.Offenbart uns unser Traum einen praktischen Tipp - z.B. in einer Begegnung konkret ein anderes Verhalten anzuwenden als bislang - so mag es uns noch relativ leicht fallen, diesem Traum einfach einmal Folge zu leisten, indem wir das neue Verhalten das nächste mal ausprobieren. Doch auch hier fehlt es schon mal an der nötigen Geduld. Denn ein neues Verhalten will mehr als einmal ausprobiert werden, ehe es sich in unsere Verhaltenspalette speichert und uns ohne große Konzentation zur Verfügung steht.

Die meisten unserer Träume können jedoch ihre Botschaften, Tipps, Vorschläge, Hinweise, Lösungsansätze etc. nur dan entfalten, wenn es bewusst in unserem Alltagsleben umsetzen. Der Vorsatz, es zu tun, reicht leider nur bedingt aus. Es ist in der Tat das wirkliche und waschechte Handeln gefragt.

Wie also können wir uns darin üben, unsere Traumbotschaften auch tatsächlich in unser Leben zu bringen und somit unsere Träume zu verwirklichen? Wie können wir die Brücke zwischen Traum und Alltag bauen?

Nun das funktioniert, indem wir uns angewöhnen, nach unserem aktiven Traumerleben unseren Traum zu würdigen. Was bedeutet das? Das meint, dass wir uns im Anschluss an unser lebendiges Träumen und im Anschluss an unser Auseinandersetzen mit unseren Träumen überlegen, was wir konkret tun können, um die Botschaften aus unserem Traumlande umzusetzen. Was wollen wir also handfest tun?

Ein kleines TraumBeispiel eines Träumers soll verdeutlichen, wie das aussehen kann.

“Eines Nachts träumte ich, ich nähme an einem Seminar fürs Fliegen teil. Zuerst saßen wir in einem Seminarraum und lernten, wie wir unsere Beine und Arme am besten zu bewegen hatten, dass unser Körper sehr leicht würde. Wir lernten im Trockenen die Fertigkeiten des Fliegens. [...] Dann ging es hinaus an einen Bergabhang. Der Leiter machte es vor. Er stellte sich an den Abhang, nahm Anlauf, breitete elegant seine Arme aus und hob einfach ab. Er flog und gleitete in der Luft und es sah aus wie ein Spiel. Die Leichtigkeit berührte mich und ich wollte es auch unbedingt können. Dann kam ich an die Reihe. Noch ganz ergriffen und voller Vorfreude nahm auch ich Anlauf, breitete meine ARme aus und flog los. Am Anfang ging es ganz leicht. Ich flog, ja ich flog wirklich! Doch dann stockte mein Fliegen. Mein Körper wurde steifer und weniger leicht. Mein Flug verlangsamte sich und ich stürzte hinab ins Tal. Ich erschrak und erwachte…[...]“ (1)

In der Auseinandersetzung mit diesem Traum fand der Träumer u.a. heraus, dass oft viel zuviel Schwere in den Handlungen des Träumers steckte. Er nahm viele Dinge in seinem Leben zu Ernst und ließ sich von anderen sehr leicht aus seiner Ballance bringen. Dem Träumer fehlte innere Stabilität, der Glaube an seine Kraft und eine Portion Leichtigkeit bei seinem SChaffen.

Jetzt hätte der Träumer das zur Kenntnis nehmen und weiterleben können. Dies ist jedoch ein wundervoller Traum der geradezu dazu auffordert, das fehlende Gewünschte ins Leben zu holen. Was also kann der Träumer nun tun, um diesem Traum zu würdigen?

Er kann dies tun, indem er sich die Frage stellt: Mein Traum sagt mir, dass mir mehr innere Stabilität, der Glaube an mich selbst und weniger ERnst im Leben gut ständen. Was kann ich jetzt sofort anfangen zu tun, um genau das in meinem Leben zu haben? Der Träumer aus obigem Beispiel überlegte sich, dass er in den kommenden Tagen und Wochen üben wolle, die Geschehnisse im Alltag mehr als Spiel denn als puren ERnst zu betrachten, um sich weniger aus dem Konzept bringen zu lassen. Und er wolle weiterhin mindestens dreimal in der Woche aktiv Dinge zu tun, die ihm Spass machen und leicht von der Hand gehen, um seinen Glauben an sich selbst wiederzufinden. Um Ergebnisse erkennen zu können, führte er über seine selbst gesetzte Aufgabe eine Art Protokoll und hielt auftretende Veränderungen sowohl im Alltag als auch in den weiteren Träumen schriftlich fest.

Indem er das dann auch tatsächlich beibehält und tut, hilft er seinem Traum sich für ihn entfalten zu dürfen. Jetzt wird somit dem Traum Leben eingehaucht, Traumwelt und Alltagsebene verschmelzen und aus einem bloßen Traum wird eine erfüllte, individuelle Geschichte.

————————————

(1) Dieser Auszug aus einem Traumtagebuch wurde mit Zustimmung des Träumers hier publiziert. Vielen Dank an den Träumer, der einen seiner Schätze mit uns teilt.

Comments are closed.